Gesundheitserziehung in Bohol

Gesundheit als Menschenrecht

Die Schnellfähre Supercat bringt uns in 90 Minuten von Cebu City nach Tagbilaran, Provinzhauptstadt von Bohol. Die Fluggesellschaften hatten unsere 46 Kilo Gepäck widerspruchslos akzeptiert, nicht so die Fährgesellschaft. Villa Alzhun ist unser schönstes Hotel auf den Philippinen und nahezu das billigste. Es liegt am Meer mit Blick auf die Badeinsel Panglao, auf der wir im vergangenen Jahr übernachteten. Bei dieser Gelegenheit haben wir mit dem Arzt Dr. Oliver Gimenez über das philippinische Gesundheitsystem diskutiert.

In diesem Jahr haben wir gleich einen Besuch bei Oliver und seiner Organisation TEACH geplant. TEACH ist eine Nichtregierungsorganisation, die an der Basis arbeitet und den benachteiligten Gruppen der Gesellschaft in Bohol den Fischern und Bauern elementare Gesundheitsdienste und -erziehung für wenig Geld oder umsonst anbietet. Oliver nennt als Schwerpunkte der Arbeit die Versorgung von Schwangeren, die Geburtshilfe, Impfungen, Zahnbehandlung, Hygieneerziehung und Ernährungslehre. Dazu werden elementare Kenntnisse aus der Natur- und Pflanzenmedizin vermittelt. Oliver betrachtet seine Arbeit als Teil des Kampfes für soziale Gerechtigkeit. Er könnte als praktizierender Arzt in den großen Städten viel Geld verdienen, aber er begnügt sich damit, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Olivers Grundüberzeugung ist, dass medizinische Behandlung für alle zugänglich und bezahlbar sowie angemessen und wesentlich sein muss. Auf den Philippinen gibt es keine ambulante medizinische Versorgung in unserem Sinn. Eine schwere Krankheit bedeutet oft den finanziellen Ruin der Familie. Da es keine funktionierende gesetzliche Krankenversicherung gibt und die privaten für die Mehrheit der Menschen nicht zugänglich oder nicht bezahlbar sind, kommt den Nichtregierungsorganisationen wie TEACH als Selbsthilfeorganisationen eine wichtige Rolle zu. Olivers Arbeit und die seiner Organisation entspricht den Zielsetzungen der Aktion Wasserbüffel, so kommen wir mit Oliver überein, dass Aktion Wasserbüffel eine Unterstützung leistet, die direkt den Bedürftigen zugute kommt und sie zur Selbsthilfe befähigt.

Einschub: Umweltschutz für die Reichen

Das Büro teilt TEACH mit anderen Nichtregierungsorganisationen. Dort treffen wir Gewerkschafter, Vertreterinnen von Fischer- und Bauernorganisationen und Martina, die Vorsitzende der Frauenorganisation GABRIELA auf Bohol. Paula vertritt die Organisation der kleinen Fischer. Ihre Existenz ist bedroht. Zum einen fischen die großen japanischen, australischen und auch philippinischen Fabrikschiffe das Meer außerhalb der Küstengewässer mit Lizenz der Regierung leer. Den Rest besorgen dann Fischer, die ihr Überleben durch Fischen mit Dynamit oder Cyanid sichern wollen. Zum anderen werden traditionelle Fischereigewässer an den Küsten zu Schutzzonen erklärt, Stichwort Umweltschutz. Auch hier treffen wir auf den berechtigten Vorwurf, dass die Regierung der Reichen die Besitztümer der Reichen von gesetzlichen Einschränkungen - zum Beispiel für den Umweltschutz - ausnimmt. Dafür aber werden die Randgruppen ohne Ausgleich ihrer Lebensgrundlage beraubt.

Das gilt auch für die Bauern. Auf Bohol sind weite Gebiete zu Natur- und Umweltschutzgebieten erklärt worden. Viele Kleinbauern verlieren ihre Existenz. Sie werfen der Regierung vor, dass die Ländereien der Großgrundbesitzer nicht betroffen sind. Auch sind große Naturgebiete zur touristischen Nutzung freigegeben, wobei die zerstörerische Einrichtung von Golfplätzen mit ihrem horrenden Wasserverbrauch und ihrem Waldraubbau die Umwelt besonders schädigt. Außerdem sind auf Bohol ohne Rücksicht auf Natur und Ökologie in großem Ausmaß Bergbaukonzessionen vergeben worden. Der Bergbau auf den Philippinen, überwiegend durch australische und kanadische Firmen, ist nach den bisherigen Erfahrungen zerstörerisch für Mensch und Natur. Gesetzliche Auflagen zum Umweltschutz und zur Renaturierung von Tagebaugebieten fehlen entweder oder werden nicht durchgesetzt.